Schulsport

Inhalt

Claus-Peter Lippert
Schulsportreferent



Aventinstr. 22
85051 Ingolstadt





 claus.lippert@gmx.de
0841/ 74630 (tel)
0841/ 74630 (fax)


Einführung

Bayern ist z.Zt. das einzige Bundesland, in dem - über örtlich und zeitlich begrenzte schulische Arbeitsgemeinschaften hinaus - Karateunterricht offiziell mit kultusministerieller Genehmigung an Schulen gegeben werden kann. So wird es an bayerischen Schulen entweder im Rahmen sogenannter Arbeitsgemeinschaften Schule- Sportverein von Übungsleitern lokaler Karatedojos oder im Rahmen des "Differenzierten Sportunterrichtes" von dazu qualifizierten Lehrern der Schule unterrichtet. Dies war möglich durch die offene und verständnisvolle Haltung der zuständigen Stellen des Kultusministeriums, die wohl auch zurückgeht auf entsprechende positive Unterstützung und Fürsprache seitens des BLSV, in dem der BKB einer der sich am dynamischsten entwickelnden Verbände darstellt.

Es hat in Bayern schon immer karatetreibende Lehrer gegeben, die ihre Karatebegeisterung an ihre Schüler in Form von Arbeitsgemeinschaften außerhalb der Unterrichtszeit weitergegeben haben. Aus diesen ersten Anfängen hat sich folgender Ist-Zustand entwickelt: An 7 Schulen in ganz Bayern wird Karate in Arbeitsgemeinschaften Schule-Sportverein unterrichtet; weiterhin unterrichten an 4 Hauptschulen, 3 Realschulen und 5 Gymnasien, also insgesamt 12 bayerischen Schulen Lehrer Karate im Rahmen des differenzierten Sportunterrichtes, nach einem Lehrplan, der auf einen Entwurf des BKB-Schulsportreferenten Andreas Schölz (Studiendirektor am Michaeli-Gymnasium München) zurückgeht. Stellvertretend sei Dank einigen "Karatelehrer" abgestattet, die in diesem Bereich Pionierarbeit geleistet haben: das ist für den Bereich der Hauptschule Stefan Bondorf (HS Füssen), für den der Realschule Jürgen Mayer (RS Hersbruck) und für die Gymnasien Alfred Heubeck, dessen Schuldojo am Melanchthon - Gymnasium Nürnberg auf Anfänge aus dem Jahr 1962 zurückgeht.

Warum stößt Karate auf einen solchen Anklang bei Lehrern, Eltern und Schülern? Sicher bedeutet es eine hohe Verantwortung, an der Schule eine Kampfkunst zu unterrichten, deren Techniken im Ernst- fall der Selbstverteidigung z.B. Verletzungen verursachen können. Aber neben dem praktischen Effekt eines Sports, der den ganzen Körper trainiert, neben einer wirksamen Selbstverteidigungs- möglichkeit gerade auch für Mädchen steht der unbestreitbare pädagogische Wert von Karate. Karate bedeutet die Erziehung zur Fairness durch den Verzicht auf Trefferwirkung - die Techniken werden kontrolliert ausgeführt, d.h. zwar mit voller Dynamik, aber vor dem Ziel abgestoppt.

Karate bedeutet zu lernen, mit eigenen und fremden Aggressionen verantwortungsvoll umzugehen.So betreiben unsere "Karatelehrer" nicht nur Selbstverteidigungstraining und Nachwuchsarbeit; an der Schule haben sie die Möglichkeit, Jugendliche durch Karate positiv zu beeinflussen, in einer Zeit, in der ein Teil unserer Jugend immer massiver der Ansicht zu sein scheint, daß Probleme und Konflikte vorrangig mit Gewalt zu lösen seien. Unsere "Karatelehrer" ,in gewisser Weise "Experten für Gewalt", sind imstande, den Jugendlichen den Weg der Friedfertigkeit, der Fairness, des Verzichts auf den ersten Schlag zu lehren.

Blicken wir in die Zukunft, so wird es z.B. bald einen Stützpunkt Schule-Sportverein am Michaeli-Gymnasium in München geben, an dem Karate auch leistungsportlich trainiert werden kann, und vielleicht schon im nächsten Jahr einen Grundkurs Karate in der Kollegstufe , und weitere Schulen werden diesem Beispiel folgen. Diese Entwicklungen und die zunehmende Zahl von Fach-, Examens- ,und Diplomarbeiten zum Thema Jugend, Schule und Karate zeigen, daß Karate in Zukunft keine Randsportart und kein" Exot" mehr sein wird, sondern eine selbstverständlich ausgeübte und gelebte Sport-art und Kampfkunst an der Schule: In der Schule durch Karate für das Leben lernen.

Andreas Schölz
ehem. Schulsportreferent BKB

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Aktuelles

History

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Fachlehrplan für den Differenzierten Sportunterricht, Sportart Karate

Karate ist ein in Japan entwickeltes System der waffenlosen Selbstverteidigung. Sein Ausbildungsprogramm gliedert sich in die drei Bereiche Kihon (Schulung von Grundlagen und Grundtechniken), Kata (festgelegte Zusammenstellungen von Techniken aus dem Bereich des Kihon) und Kumite (Partnerübungen unterschiedlichen Schwierigkeitsgrades). Es geht dabei nicht nur um die Vermittlung von Fertigkeiten, sondern auch um psychologische und ethische Aspekte.

In einem koedukativen Unterricht ist innerhalb der Interessengruppe nach Geschlechtern zu trennen.

1. Gesundheit (-> GE)

Karate trägt zur Gesundheit insbesondere durch die Verbesserung der Kraftausdauer und Beweglichkeit bei. Die Schüler lernen, sich gewandt zu bewegen und sich reaktionsschnell auf die Aktionen eines Angreifers einzustellen. Die Fallschulung trägt zur Unfallprophylaxe bei Stürzen in Sport und Alltag. Um das Verletzungsrisiko zu verringern, sind vorbereitende und ausgleichende, den gesamten Körper umfassende Lockerungs-, Dehn, und Kräftigungsübungen notwendig. Verschiedene Entspannungsverfahren (z.B. Beruhigungsatmung, Meditationsphasen zu Beginn und am Ende des Trainings) fördern die innere Ausgeglichenheit der Schüler und verbessern ihre Konzentrationsfähigkeit. Karate soll Selbstverteidigungsfähigkeit, Selbstdisziplin, Ausgeglichenheit und damit zu einem stabilen Selbstwertgefühl der Schüler beitragen. Obwohl manchmal ein selbstsicheres Auftreten die Wahrscheinlichkeit eines Angriffs verringern kann, dürfen die Schüler nie der Illusion verfallen, daß ihnen durch das Karatetraining nun nichts mehr passieren könne.

2. Fairneß, Kooperation (-> FR)

Das Vertrauen in die Disziplin und Aggressionskontrolle des Partners eröffnen besondere Möglichkeiten einer Sozialerziehung durch Karate. Bei den Partnerübungen des Karate müssen Angriffstechniken kontrolliert ausgeführt werden (d.h. sie werden vor dem Ziel arretiert). Trefferwirkung ist ein Regelverstoß, der unbedingt vermieden werden muß. Den Schülern soll die Verletzbarkeit des anderen bewußt bleiben, und sie sollen die Verhältnismäßigkeit von zur Selbstverteidigung eingesetzten Karatetechniken einschätzen lernen. Der koedukative Unterricht beinhaltet die Möglichkeit, sich mit geschlechtsspezifischen Sichtweisen von Verteidigungssituationen auseinanderzusetzen und so gegenseitiges Verständnis zu wecken. Die Etikette und das traditionelle Zeremoniell des Karate erziehen die Schüler zu einem von gegenseitiger Achtung und Respekt geprägten Umgang miteinander.

3. Umwelt

Das Schulumfeld der Schüler wird in realitätsnahen Übungssituationen mit einbezogen. Hierbei werden die Schüler zu schonendem Umgang mit Übungsgeräten (z.B. Matten) und zur Sauberhaltung der Übungsstätten angehalten.

4. Leisten, Gestalten, Spielen

4.1 Einführung

Technik und Taktik
Kondition und Koordination
Verbesserung der Kraft, Kraftausdauer, Schnellkraft, Beweglichkeit, Gewandtheit, der Gleichgewichts-, Reaktions- und Antizipationsfähigkeit durch altersgemäße Spiel- und Trainingsformen.
Theorie
Hinweise zur Geschichte, kulturellen Bedeutung und Philosophie des Karate, Gemeinsamkeiten mit und Unterschiede zu anderen fernöstlichen Budo-Sportarten; Zeremoniell und Etikette; japanische Fachsprache (Grundbegriffe).

4.2 Fortführung

Technik und Taktik
Die unter 4.1 erlernten Grundtechniken werden unter höherer Belastung und in komplexeren Übungs- und Spielformen vertieft und erweitert:
Kondition und Koordination
Die Anforderungen an die Kraft, Kraftausdauer, Schnellkraft, Beweglichkeit und die koordinativen Fähigkeiten (v.a. Reaktionsfähigkeit) werden erhöht.
Theorie
Trainingsmethoden, Bewegungsanalyse und Fehlerkorrektur; Wettkampfregeln; anatomische und physiologische Wirkungen der Karatetechniken; ethisch-moralische und rechtliche Aspekte (z.B. Bestimmungen zu Körperverletzung und Notwehr im Strafgesetzbuch); persönlichkeits- und sozialpsychologische Aspekte.

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Mehr als 100 unveröffentlichte wissenschaftliche Karate-Arbeiten

In "KARATE 2/2001" wurde veröffentlicht, dass der Schulsportreferent des DKV dabei ist, seine Bibliothek mit unveröffentlichten wissenschaftlichen Budo-/Karate- Arbeiten weiter auszubauen. Zweck der Aktion ist es, dass all den Interessenten, die sich in der Situation befinden, auch eine wissenschaftliche Arbeit in dem Gesamtzusammenhang "Budo" bzw. "Karate" verfassen zu müssen, bei Bedarf geholfen werden kann.

Die Resonanz auf die Veröffentlichung war unerwartet groß. Erstaunlich viele Interessenten haben sich mit der Bitte um Hilfe bei ihren Dissertationen, Diplomarbeiten, Hausarbeiten, Referaten usw. an den Schulsportreferenten gewandt. Ebenso erstaunlich war es zu beobachten, in welchen Fachbereichen man sich mit der Thematik "Budo" bzw. "Karate" wissenschaftlich auseinandersetzt: Es haben Mediziner und Physiker genauso nachgefragt wie Lehrer und Trainer. Die meisten Anfragen sind aus der Gruppe der Sozialpädagogen gekommen.

Ein weiterer, in diesem Ausmaß nicht abzusehender Effekt der letzten Veröffentlichung war, dass dem Schulsportreferenten viele Arbeiten und Referate, die in den letzten Jahren zu dieser Gesamtthematik verfasst worden sind, zur Aufnahme in seine Bibliothek kostenlos angeboten wurden. Somit umfasst die Karate-Bibliothek des DKV-Schulsportreferats mittlerweile 103(!) unveröffentlichte wissenschaftliche Arbeiten und 53 Referate bzw. kleinere Textbeiträge. In der Folge sollen einige willkürlich ausgewählte Titel, vor allem der Neuzugänge, - bewusst unter Verzicht auf die Namen der Autoren - vorgestellt werden:

Um den großen Arbeitsanfall im Zusammenhang mit den Anforderungen durch Interessenten bewältigen zu können, wurde das Ausleihverfahren modifiziert:

Ralf Brünig
DKV-Schulsportreferent

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Berichte und Artikel

Hier erhalten Sie eine Auswahl von Berichten von Veranstaltungen des BKB. Diese sind im Wesentlichen in den Medien Karate (Fachorgan des DKV), Bayernsport (Fachorgan des BLSV) und Rundbrief (Fachorgan des BKB) erschienen und können als Teil des Mediendienstes des BKB als Nachschlagewerk verwendet werden.

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